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Die 37. Vogalonga oder unsere Fahrt durch Venedig

Irgendwann erzählte Wolfgang einmal von einer Paddeltour durch Venedig und machte uns neugierig auf dieses Rennen. Die Idee reifte, und dann wurde die Fahrt für dieses Pfingsten geplant. Nur wegen eines Tages in Venedig 2000 km mit dem Auto fahren, das konnten wir mit unserem Gewissen nicht vereinbaren. Also mußte noch ein mindestens 14-tägiger Urlaub mit den Kollegen abgestimmt werden.
Nun gab es noch andere Dinge zu beachten. Die Anmeldung konnte man vorab per Internet vornehmen, die Startnummern mußten aber spätestens Samstag vor Ort abgeholt werden. Wo übernachtet man am besten, ohne noch viele Kilometer zusätzlich zu paddeln?

Am Donnerstag vor Pfingsten war es dann soweit: Wir (Ulrike und Michael) starteten am frühen Nachmittag und legten Zwischenstopp in der Nähe von Ulm ein (die schlimmsten Staustellen wollten wir vor dem Pfingstverkehr umfahren haben). Am Freitagnachmittag wurden wir dann freudig auf dem Campingplatz in Punta Sabbioni nach ca. 1100 km von Hubi und Dorle empfangen. Nun kennt Ihr schon alle Teilnehmer des CEW's. Leider mussten die Initiatoren Wolfgang und Nuscha aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen.
Der Campingplatz war voll in der Hand von Paddlern aus aller Herren Länder. Ohne diese hätte er gar nicht öffnen brauchen.
Der Samstag wurde zur Aufklärung genutzt. Mit der Fähre setzten wir nach Venedig über und pilgerten zum Anmeldebüro.

 

Dieses war in der Nähe der Rialtobrücke am Fischmarkt untergebracht.
Auf dem Weg dorthin wurden wir noch von einem starken Regenguss getauft. Es war alles gut organisiert, und wir mussten gar nicht lange warten. Wir bekamen unsere Startnummern (1283 und 1284), jeder ein Plakat sowie ein T-Shirt in der gewünschten Größe. Viele Paddler fuhren auch direkt mit dem Kanu zum Anmeldebüro und lagerten ihre Boote vor der Tür bzw. bekamen Ärger, wenn sie die Anlegestege nutzen wollten. Auf dem Canal Grande schipperten schon fleißig Paddler in dem Gewirr herum. Als schwierigster Teil der Aufklärung entpuppte sich die Auskunft nach der Abfahrtszeit der Fähre für den nächsten Morgen. Direkt am Abfahrtskai war zwar ein Auskunfts- schalter, dieser verwies uns aber auf das aushängende Plakat, welches wir jedoch nicht deuten konnten. Denn danach wäre gar keine Fähre gefahren. Nach langer Diskussion konnte Dorle die Auskunft zum Plakat locken und dann stand diese genauso hilflos davor. Nach Befragung einer weiteren Person waren wir zu 60% sicher, dass am nächsten Morgen um 6.30 Uhr das einzige Schiff fährt. Zur Vogalonga gehört auch, dass auf der ausgewiesenen Strecke der Motorbootverkehr ruht. Wir wollten für die 7 km von und bis zum Start den öffentlichen Nahverkehr nutzen (sprich die Fähren), weswegen wir so sehr auf die Abfahrtszeit angewiesen waren. Wir hatten extra die
Faltboote wieder aus dem Keller geholt.

Die Vogalonga (übersetzt: „Langes Rennen“) wird seit 1975 durchgeführt und findet seitdem immer am Sonntag nach Himmelfahrt statt. Das Fest erinnert an die Vermählung des Dogen mit dem Meer.

Die Wettkämpfer müssen ca. 30 km zurücklegen. Sie Strecke führt vom San Marco Becken bis nach Burano und zurück über Murano durch den Cannaregio-Kanal und den Canal Grande zum San Marco Becken. Es dient auch zur Pflege der venezianischen Ruderkunst.

Am Sonntagmorgen erfüllten sich dann die 60% und wir konnten mit dem Schiff und unseren Faltbooten übersetzen. Ca. 50m vom Marcus-Platz bauten wir dann die Faltboote mit anderen Gleichgesinnten auf.

Ab 8.30 füllte sich dann das Meer vor dem Marcus-Platz. Laut Internetseite haben in1650 Booten ca. 6000 Leute teilgenommen. Wir sichteten auch Startnum- mern oberhalb von 1600. Alle Boote wurden mit Muskelkraft angetrieben. Wenn soviele Boote gleichzeitig nach einem Kanonenschuß um 9.00 Uhr losfahren (noch dazu läuteten die Glocken) ist dies schon unheimlich und ergreifend. Zunächst ging es geradeaus, aber in der nächsten Kurve nach ca. 1km wurde es dann ganz schön eng. Die Vielfalt der Boote hat uns sehr fasziniert. Hier sind besonders die unterschiedlichen venezianischen Bootstypen hervorzuheben. Bei allen venezianischen Booten vom Einer bis zum Sechzehner standen die Ruderer in Fahrtrichtung im Boot und ruderten ähnlich wie die Gondoleri. Größtenteils hatten die Ruderer auch traditionelle Kostüme an und die Boote waren schön geschmückt. Es war einfach schön, Ihnen zuzuschauen.

Bei den übrigen muskelkraftbetriebenen Booten gab es eine riesige Bandbreite: Einer- und Zweier- Kanus, Canadier, Ruderboote, Drachenboote, Tretboote ...

Am meisten aufpassen musste man auf die normalen Ruderboote (die Rückwärtspaddler). Sie benötigten den meisten Platz und sahen nicht so richtig, wo sie hinfuhren.

Nach dem Start am Marcus-Platz ging es zunächst nordwärts an einigen Inseln vorbei in Richtung Burano. Das Wetter war uns wohlgesinnt. Wir hatten schönen Sonnenschein, angenehme Temperaturen und auf dem Hinweg Gegenwind. In Burano war den Wendepunkt erreicht, die Hälfte des Weges lag hinter uns, und so gönnten wir uns eine Pause. Die Faltbootsitze sind nicht sehr bequem und so musste unser Sitzfleisch sich etwas erholen.

Danach ging es über Murano mit Rückenwind wieder Richtung Venedig. Kurz vor Venedig waren die Boote weit auseinandergezogen und wir dachten, dann kann es ja im Kanal kein Problem mehr geben. Doch weit gefehlt. Wir bogen in den Cannaregio-Kanal ein und fühlten uns heimisch wie auf der A40.

Nichts ging mehr! Man konnte gar nicht mehr paddeln, es gab keine freie Wasserfläche. Über die Boote hätte man drüber laufen können. Doch irgendwie ging es doch vorwärts. Am Rande waren Tische aufgebaut und die Leute feierten den Tag und klatschten den Ruderern zu.

Das war ein tolle Stimmung. So schob man sich vorwärts bis in den Canal Grande. Man war gar nicht böse, dass es nur so langsam vorwärts ging. Da konnte man es länger geniessen. Leider ist dann aber irgendwann auch die schönste Fahrt vorbei. Vor dem Marcus-Platz war das Ziel. Jeder Teilnehmer bekam noch eine Urkunde und eine Medaille und viele Teilnehmer wurden namentlich genannt. Ulrike bildet sich, ein ihren Namen gehört zu haben. Ruhig ließen wir uns dahin treiben. Es sollte gar nicht mehr aufhören.

Nachdem alle Boote durch waren, fuhren wir noch einmal zurück in den Canal Grande. Dies war noch einmal etwas Besonderes. Noch keine Motorboote, kaum Ruderer oder Paddelboote, wir hatten den Kanal für uns alleine! Dann bogen wir noch ab in die kleinen Seitenkanäle. Dies war ein krasser Gegensatz. Die Häuser waren noch mehr verfallen, keine Sonnenstrahlen und ein sehr übler Geruch. Schnell verließen wir wieder das Gebiet.
Nachdem der letzte Ruderer
durch war, gab es wieder einen Kanonenschuss und nun setzte das rege Leben auf dem Canal Grande schnell wieder ein. Nun hieß es aufpassen, Passagierboot von vorn und Passagierboot von hinten, Wassertaxis, Gondeln ...

Wir verließen schnell dieses Terrain und paddelten zur Anlegestelle, hoben das Boot aus dem Wasser und verstauten es wieder in den Packsäcken.
Am selben Nachmittag fand noch ein Ruderwettkampf der alten Handelsstädte Genua-Pisa-Amalfi- Venedig statt. Aus diesem Anlass konnten wir auch noch ein Umzug in historischen Kostümen bestaunen.
Da der Fährverkehr deswegen noch ruhte, hatten wir genug Zeit uns alles anzuschauen.
Um 19.15 ging es dann wieder zurück Richtung Campingplatz.
Es war ein sehr gelungener Tag und wir können es zur Nachahmung empfehlen.

Ahoi

Hubi&Dorle

Ulrike&Michael